SOS-Rassismus Barnim Chronik 2019

Schweigen schützt nicht, stützt aber die Gewalt.
Diskriminierungen gehen uns alle an.

Chronik rechtsextremer und rassistischer Vorfälle im Barnim 2019

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 16. Juni 2020:

Rassismus in jeder Form ist Feind der Demokratie.

Rassismus will keinen Dialog, keine Vielfalt, kein friedliches Miteinander. Er will Hass auf andere und Dominanz über andere.

Solange es Rassismus gibt in unserer Gesellschaft, in unserem Umfeld, in unserer Nachbarschaft, vor allem aber in unseren eigenen Einstellungen, Vorurteilen, Denkmustern, können wir uns nicht teilnahmslos verhalten. Sondern wir entscheiden uns – jeden Tag, bewusst oder unbewusst, in unserem Handeln wie in unserem Nichthandeln –, wo wir stehen, auf welcher Seite wir stehen.

„Your silence will not protect you“, schrieb die amerikanische Aktivistin und Autorin Audre Lorde. Dein Schweigen wird dich nicht schützen.

Nein, es reicht nicht aus, „kein Rassist“ zu sein. Wir müssen Antirassisten sein! (Quelle)

Über diese Chronik

Die Gruppe SOS Rassismus Barnim dokumentiert rassistische Vorfälle im Barnim und will damit zu einer gesellschaftlichen Sichtbarkeit von Rassismus beitragen. Welcher Vorfall als rassistischer Übergriff gilt, wird definiert durch die jeweilige Person, die davon betroffen ist. Wir sehen eine Unmöglichkeit darin, einen von uns oder Anderen definierten Rahmen von rassistischen Übergriffen zu setzen. Dies würde zur Unsichtbarmachung von Diskriminierungen führen und damit dem Rassismus Vorschub leisten.
Wir wissen, dass durch diese Dokumentation nur ein Bruchteil der alltäglichen, rassistischen Übergriffe aufgezeigt werden kann. Diese Chronik ist unvollständig, da wir nur die Fälle dokumentieren können, die uns bekannt wurden. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher.
Rassismus ist ein Bestandteil rechtsextremer Ideologie, kommt aber auch ohne diese aus. Nicht jede*r Rassist*in ist rechtsextrem, aber jede*r Rechtsextreme ist rassistisch. Aufgrund dieser Verflechtung haben wir uns dafür entschieden, auch rechte bzw. rechtsextreme Vorfälle in die Chronik aufzunehmen.
Institutioneller / strukturell bedingter Rassismus wird meist reflexartig relativiert oder gänzlich geleugnet. Wenn Menschen in Institutionen, die der Allgemeinheit dienen und die Würde aller Menschen schützen sollten, indirekt oder direkt diskriminieren und notwendige Veränderungen bestreiten/behindern, leisten sie keinen Beitrag zur Überwindung von Rassismus. Dann sind sie nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems und brauchen demokratische Veränderungen.

Weitere Informationen, sowie die Chroniken der Jahre 2015 bis 2018 finden Sie auf:
http://refugeeswelcomebarnim.blogsport.de/
Kontakt: rassismus.barnim@gmail.com

Sprechstunde: Jeden ersten Donnerstag im Monat, 17:00 – 18:00 Uhr,
im Palanca e.V., Coppistraße 1, 16227 Eberswalde

Rassismus passt in keine Broschüre…

Die hier veröffentlichten rassistischen Angriffe sind inakzeptabel. Es liegt nahe, sie zu verurteilen und sich damit gegen Rassismus positioniert zu haben. Allerdings sind diese An-griffe längst nicht alles, was Rassismus ausmacht. Vielmehr sind verbale Pöbeleien und körperliche Angriffe lediglich offensichtliche Erscheinungsformen von Rassismus.
In Deutschland wird häufig angenommen, dass es sich bei Rassismus um individuelle, bewusste Fehltritte handelt. Die Fälle hier könnten dann gelesen werden als Angriffe intoleranter Deppen.
Das greift aber zu kurz. Rassismus ist weder individuell, noch muss eine Absicht/Intention hinter rassistischem Handeln stehen. Stattdessen müssen wir Rassismus als eine Herrschaftsform verstehen, die historisch entstanden ist und bis heute die gesamte Gesellschaft durchzieht.
Die hier genannten Übergriffe stellen also lediglich die Spitze des Eisbergs dar. Es genügt nicht, sie als Angriffe Einzelner zu verurteilen. Stattdessen muss eine ernstgemeinte Auseinandersetzung mit Rassismus die eigene rassistische Sozialisation hinterfragen und Gesellschaftskritik üben. Die Grundlagen müssen dabei die Perspektiven Schwarzer Menschen/People of Color sein.
Buchtipps zum Thema Rassimus für „weiße“ Menschen:

• exitRacism – rassismuskritisch denken lernen (Anti-Ra-Trainerin Tupoka Ogette)
• Wer hat Angst vorm schwarzen Mann (Gert Schramm, 1928-2016, mit 15 J. ins KZ)
• Unter Weißen (Journalist Mohamed Amjahid)

Anmerkung zur Schreibweise:
Die Begriffe Schwarze Menschen und People of Color sind Selbstbezeichnungen und beziehen sich auf gemachte Rassismuserfahrungen von Menschen. Schwarz wird bewusst groß und weiß kursiv geschrieben um deutlich zu machen, dass es sich um eine politische Zuschreibung, und nicht um eine Farbbezeichnung handelt.

Für die Übersichtlichkeit dieser Chronik unterteilen wir in

• Verbale und physische Gewalt

• „Mikroaggressionen“ – ausgrenzende Botschaften

• Rechte Propaganda und Sachbeschädigungen

• Strukturelle Probleme und Nachtrag aus 2018

Verbale und physische Gewalt

12.02.2019, Bernau
Nach versuchtem Raub selbst verletzt worden

Am Nachmittag des 09.02.2019 wurden Polizisten zum Bahnhof gerufen. Nach ersten Erkenntnissen hatten zwei Männer in der Regionalbahn einen russischen Staatsbürger beleidigt und versucht, ihm unter Androhung von Gewalt das Bahnticket abzunehmen. Doch scheiterten sie an der Gegenwehr des 49-jährigen, der dann am Bahnhof Bernau den Zug verließ. Die beiden verhinderten Räuber folgten dem Mann in Richtung Bahnhofsvorplatz, wo es zu einer weiteren körperlichen Auseinandersetzung kam. In deren Folge brachte der Mann das Duo zu Boden. Dabei erlitt einer seiner Kontrahenten, ein 41 Jahre alter Barnimer, eine so schwere Verletzung, dass er umgehend im Krankenhaus behandelt werden musste. Er hatte zu diesem Zeitpunkt einen Atemalkoholwert von 1,8 Promille aufzuweisen. Sein 38 Jahre alter Kumpel wurde ebenfalls verletzt. Er pustete einen Wert von 0,86 Promille.
Jetzt schauen sich Kriminalisten der Direktion Ost das Geschehen noch einmal ganz genau an. Alle Beteiligten werden sich einem Ermittlungsverfahren zu stellen haben.

Quelle: Polizei Brandenburg
Nachtrag: Die Angetrunkenen hörten den Mann in einer anderen Sprache telefonieren und attackierten ihn als „Ausländer“. (Quelle: Eigener Bericht)

24.03.2019, Zug Bernau – Eberswalde
Ins Gesicht geschlagen

Am vergangenen Sonntagabend gab es im RE3 zwischen Bernau und Eberswalde einen rassistischen Übergriff.
Ein Mann hat einen anderen jüngeren Mann beleidigt und ihm zweimal ins Gesicht geschlagen. Als daraufhin eine Frau und ein Mann intervenierten und den aggressiven Mann fragten, warum er den anderen geschlagen hat, erwiderte dieser so etwas wie, dass der ein „Ausländer“ sei und „schwarzfahren“ würde…
Der Angreifer hatte schon am Bahnhof Bernau eine Gruppe Schwarzer Menschen sehr böse angeguckt, ist um 18:53 in den RE3 Richtung Eberswalde eingestiegen. Beim Aussteigen in Eberswalde wollte er noch einmal auf den Mann zu rennen, den er im Zug geschlagen hatte, wurde aber von einer der Personen, die im Zug intervenierten, festgehalten. Eine Person brachte den Vorfall zur Anzeige, in der Hoffnung auf Auswertung von Videoaufzeichnungen auf dem Bahnhof.

Quelle: Eigener Bericht

07.06.2019, Wandlitz
Ermittlungen nach Auseinandersetzung

Am späten Abend des 07.06.2019 war eine Gruppe von rund 20 deutschen Jugendlichen beiderlei Geschlechts in der Prenzlauer Chaussee unterwegs gewesen. Dort stießen sie auf eine siebenköpfige Gruppe von jungen ausländischen Männern.
Nach ersten Erkenntnissen wollten die Deutschen dann einen älteren Sachverhalt mit ihren Gegenübern klären und so kam es zu einem Wortgefecht. In der Folge eskalierte die Situation und aus dem Streitgespräch wurden Handgreiflichkeiten. Hinzugerufene Polizisten sprachen gegen die Kontrahenten Platzverweise aus. In den nun folgenden Ermittlungen ist zu klären, was das Geschehen auslöste und ob ein Messer zur Anwendung kam. Hatte doch ein 21-Jähriger eine frische Schnittverletzung an der Hand aufzuweisen.   

Quelle: Polizeibericht

24.06.2019, Wandlitz
Körperliche Auseinandersetzung

Wandlitz — Kriminalisten der Inspektion Barnim ermitteln gegenwärtig zu einer körperlichen Auseinandersetzung, die sich am späten Abend des 24.06.2019 an einer Badestelle am Wandlitzer See ereignet hatte.
Nach ersten Erkenntnissen waren an dieser Badestelle drei 19, 26 und 31 Jahre alte Männer aus dem Tschad und Guinea mit mehreren deutschen Jugendlichen in einen verbalen Konflikt geraten. In der Folge seien die drei Männer dann von einigen der Jugendlichen geschlagen worden. Die Ermittler prüfen nun, was sich genau zugetragen hatte und bitten mögliche weitere Zeugen, die bislang noch nicht mit der Polizei in Kontakt getreten sind, dies unter der Rufnummer 03338 3610 zu tun. Selbstverständlich kann auch jede andere Polizeidienststelle oder die Internetwache unter www.polizei.brandenburg.de kontaktiert werden.

Quelle: Polizei Brandenburg

25.07.2019 und vorher, Eberswalde
Entblößter und alltäglicher Rassismus

„… nur zwei Beispiele von leider ganz ganz vielen… wir überlegen Eberswalde wieder zu verlassen…“:
Ein nichtweißer Mann begegnete in der Bergerstraße auf Höhe des Fitnessstudios drei Personen, zwei Männern und einer Frau. Sie entblößten sich und machten eindeutige Bewegungen mit ihren nackten Geschlechtsteilen in seine Richtung und brüllten ihn an, dass er seine Mutter in Afrika ficken und sich verpissen soll.
Der Mann ging rasch weiter und erzählte zu Hause entsetzt seiner Frau von dieser Attacke. Sie erstatteten keine Anzeige, weil sie davon (außer Stress) nichts erwarteten.

Eine vorherige andere Situation beschrieben sie so: „Wir wollten mit einem Familienmitglied von uns mit iranischen Wurzeln mit dem Bus fahren. Wir stiegen vorne mit dem Kinderwagen ein. Wie wir an diesem Tag lernten, ist es nicht erwünscht, dass man in Eberswalde vorne einsteigt mit dem Kinderwagen. Das machte ein gehbehinderter Mann dann auch lautstark mit rassistischen Rufen deutlich. Er zeigte den Hitlergruß und sagte dazu: ‚so hoch liegt der Schnee‘.
Der Mann schimpfte weiter, dass unser Familienmitglied das Land verlassen solle wenn er die Regeln hier nicht versteht. Auch der Busfahrer stieg noch in diese ‚Belehrungen‘ mit ein. Wir mussten bald wieder aussteigen und gingen so weiterem Ärger aus dem Weg.“

Quelle: Eigener Bericht

20.08.2019, Eberswalde
Krasses in der Öffentlichkeit – und öffentlich immer wieder reflexhaft relativiert

„Chantall“ (Name der Schwarzen Frau geändert) lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Eberswalde. Sie berichtete in einem Fernsehbeitrag des ZDF: ‚Merkel-Schmarotzer‘ ist noch eine der harmlosen Beleidigungen, die sie oft zu hören bekommt. „N-hure höre ich oft, oder dass ich ein Parasit bin, der zu entfernen ist. Ja, Parasit, das bekomme ich oft zu hören. Einmal saß ich im Bus und eine Frau hat zu mir und anderen Ausländern gesagt, dass wir alle nach Ausschwitz gehören und vergast werden sollen.“

Der TV-Beitrag, in dem es besonders um den rassistischen Angriff vom 3.8.2018 auf die brasilianische Studentin und die Reaktionen darauf geht, ist in der ZDF-Mediathek noch bis zum 20.8.2020 zu sehen (5 Minuten davon beziehen sich direkt auf Eberswalde): https://www.zdf.de/verbraucher/volle-kanne/rassismus-im-alltag-100.html

In einem „sozialen“ Netzwerk mit Bezug zu Eberswalde zogen nach diesem Bericht viele der Diskutanten Rassismus in Zweifel, warfen denen, die davon berichteten, Unwahrheit oder Übertreibung vor und griffen jene an, die in der Diskussion andere Meinungen äußerten.

Quelle: ZDF und eigener Bericht

Eberswalde, 20.09.2019
Angriff auf 16-jährige verängstigt auch 8- und 9-jährige Kinder

Eine 16-jährige Schülerin (mit Migrationsgeschichte ihrer Eltern) begleitete für ein Schulprojekt ihren 9-jährigen Bruder und ein 8-jähriges Mädchen. In der kleinen Straße Kienwerder – zwischen Stadtcampus der Hochschule (HNE) und katholischer Kirche – sammelten sie fröhlich Herbstblätter.
Gegen 16:20 Uhr kamen zwei Frauen (50 und 28 J.), von denen die erste plötzlich die 16-jährige anschrie: „Was guckst du mich so schief an? Na, was lachst du so, du blöde Hure, geh lieber in dein Mutterland zurück!“ Die Schülerin versuchte die Beleidigungen zu ignorieren. Daraufhin fing die erste Frau an, die 16-jährige zu schubsen und gab ihr einen kräftigen Faustschlag ins Gesicht.
Dabei fiel das iPhone der 16-jährigen herunter. Auf Zuruf der ersten hob die zweite Frau das iPhone auf, lief damit weg, ließ es nochmals fallen, hob es erneut auf und entfernte sich. Als der 9-jährige ihr hinterherlief und das iPhone seiner Schwester erbat, kratze die zweite Frau den Jungen im Gesicht.  Am Ende warf sie das iPhone hin und lief mit der ersten Frau weg.
Das 8-jährige Mädchen weinte die ganze Zeit vor Angst und konnte erst später beruhigt werden. Beide Kinder waren von dem Angriff geschockt und verängstigt.
Zwei Zeuginnen nahmen den Angriff zum Teil auf Video auf, zwei weitere Zeugen kamen dazu, kümmerten sich um die Angegriffenen und riefen die Polizei. Die Aussagen der Betroffenen und der Zeugen wurden notiert, die sichtbaren Spuren des Faustschlages im Gesicht der Angegriffenen und das beschädigte iPhone fotografiert. Auf dem Video erkannten Polizisten die Täterinnen und nahmen die Anzeige auf. Die dazu herbeigerufene Mutter der 16-rähigen und des 9-järhigen war sehr aufgewühlt, aber froh, dass andere Menschen aus Eberswalde die Kinder sofort unterstützt hatten. Ein herbeigerufener Rettungswagen konnte wieder abfahren, weil sich die Schülerin die Wunde im Gesicht nicht im Krankenhaus sondern zu Hause behandeln lassen wollte.
Eine Zeugin und ein Zeuge waren gerade auf dem Weg zu einem Bündnistreffen in der Hochschule, bei dem es – u.a. mit dem Landrat, dem Präsidenten der Hochschule, Vertreter_innen der Stadt, der Polizei, der Zivilgesellschaft, von Verbänden und Parteien – um die Arbeit gegen Diskriminierung im Barnim ging. Durch den Angriff und das Warten auf die Polizei kamen beide Zeugen sehr spät zu diesem Treffen, dessen aktuelle Brisanz durch so offenen Rassismus unterstrichen wurde.

Quelle: Eigener Bericht

Anmerkung: Als der Angriff nach Wochen nicht im Polizeibericht stand, fragte ein Beteiligter des Bündnisses bei der Polizei nach dem Grund dafür. Antwort des Pressesprechers der Polizei:
„Alle Vorfälle zu berichten, ist der Pressestelle … bereits aufgrund der schieren Anzahl unmöglich und auch die Presse selbst könnte derart viele Meldungen nicht verarbeiten. …
Zum dem von Ihnen angefragten Sachverhalt kann ich Ihnen jedoch folgendes mitteilen: … Hinweise auf ein fremdenfeindliches Motiv ergaben sich nicht.“
Die Nachfrage, durch wen und wie es zu dieser völlig anderen Einschätzung kam – dass hier kein fremdenfeindliches Motiv vorgelegen habe –, wurde mit Verweis auf weitere Ermittlungen nicht beantwortet, eine weitere Nachfrage völlig ignoriert.

20.09.2019, Bernau
Bedrohliche Ausgrenzungsbotschaft aus „heiterem Himmel“

Eine junge Schwarze Frau lief kurz vor 18 Uhr zu Fuß aus der Eberswalder Straße kommend in Richtung Steintor. Als sie die August-Bebel-Straße in Richtung Hussitenstraße überquerte, kam ihr vom Steintor ein großer und stabiler weißer Mann (ca. 50 J.) entgegen. Als der Mann die Frau bemerkte, stutzte er auffällig, blickte sie direkt an und rief laut: „Kann doch nicht wahr sein. Überall N… hier! Verpisst euch!“ Die Frau erschrak heftig und fürchtete einen physischen Angriff. Sie machte rasch einen Bogen um den Mann herum.
Ein jüngerer Mann, der einige Schritte weiter an seinem Fahrrad hantierte, hörte die bedrohliche Beschimpfung und munterte die junge Frau auf, indem er gestisch andeutete: ‚der spinnt / der hat sie nicht mehr alle!‘. Der ältere Mann überquerte die Kreuzung in Richtung Eberswalder Straße und fluchte weiter laut auf „die Ausländer“.

Quelle: Eigener Bericht

05.12.2019, Eberswalde
Gefährlicher Täter vom 30.08.2018 mit Phantombild gesucht

Am 3. August 2018 kam es, gegen 18:00 Uhr, in der Breite Straße zwischen den Einmündungen Georgstraße  und Oderbergerstraße zu einem mutmaßlich fremdenfeindlichen Übergriff. Ein bislang unbekannter männlicher Tatverdächtiger schubste eine brasilianische Studentin von ihrem Fahrrad. Sie fiel auf die Straße. Ein entgegenkommender Pkw musste ausweichen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Anschließend wurde die Geschädigte mehrfach, unter anderem fremdenfeindlich, beleidigt.
Wer erkennt die Person? Wer weiß, wo sie sich aufhält?
Hinweise zum vermeintlichen Täter nimmt die Polizei in Bernau, Tel. 0333873610 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Quelle: Polizeifahndung und https://cityreport.pnr24-online.de/eberswalde-taeter-mit-phantombild-gesucht/

Anmerkung:
Der Täter beschimpfte die Studentin rassistisch, schubste sie gezielt in den Gegenverkehr und drohte ihr, sie solle Deutschland verlassen, er habe sich ihr Gesicht gemerkt, sie sei hier nirgends sicher. Drei Studierende, die diese Zuspitzung erlebten, waren völlig schockiert.
Hätte der Täter seine Tötungsabsicht vollendet, wäre die Studierende nach Amadeu Antonio (1990) und Falko Lüdtke (2000) das dritte Todesopfer rechter Gewalt in Eberswalde geworden.
Fragen:
Warum wurde diese Tat nicht als rechtsterroristisch, als rassistischer Mordversuch eingestuft?
Wie intensiv ermitteln die zuständigen Behörden in einem so gravierenden Fall?
Warum erschien das Phantombild erst 15 Monate nach der Tat?
Warum meldete sich niemand aus dem Pkw, der über den Fußweg ausweichen musste?
Darf es uns egal sein, wenn ein so gewaltbereiter Täter weiterhin als tickende rassistische Zeitbombe durch die Gegend fährt / läuft?

„Mikroaggressionen“ – ausgrenzende Botschaften

Eberswalde, 2019 (und 2020 weiterhin erlebt)
Ungleiche Behandlung

In einem Finower Supermarkt nahe der Mahn- und Gedenktafel für Amadeu Antonio bedient ein Mitarbeiter die Kundschaft sehr unterschiedlich: Freundlich, fröhlich und zu Späßen aufgelegt bei weißen Menschen; wortkarg, unfreundlich und mimisch zeigend, dass er sie nicht mag: bei Menschen, die er als „anders“ einordnet, also Schwarze Deutsche, nichtweiße Studierende, Tourist_innen, Menschen mit Fluchtgeschichte, …

Quelle: Eigener Bericht

Bernau, 28.04.2019
„N-Kuss ist doch normal im Osten!“

Auf dem Weg in den Bernauer Stadtpark zum Kunst- und Handwerkermarkt kamen wir als Familie in der Mühlenstraße an einem Schild vorbei, welches mit dem Hinweis „Broiler und N…..küsse“ (mit einem Pfeil in Richtung eines Grillwagens) beschriftet war. Für einen Moment blieb mir die Spucke weg, konnte jedoch wieder genug sammeln um das N-Wort zu beseitigen. Auf Nachfrage bei der Verkäuferin am Stand, was das solle und wer das beschriftet hatte, hieß es: „Das war der Chef!“. Auf dem weiteren Weg kreuzten noch 2 Schilder mit der gleichen Beschriftung und dem entsprechenden Pfeil unseren Pfad. Auch hier wurden die N-Wörter entfernt. Wir dachten, damit sei die Sache soweit erledigt.
Auf dem Rückweg stellten wir jedoch fest, dass die Schilder neu mit dem N-Wort beschriftet worden waren und machten nochmal einen Schlenker zu dem Grillwagen in der Mühlenstraße. Dort war ein Mann gerade dabei, die letzten Schilder neu zu beschriften. Es stellte sich heraus, dass er der Besitzer des Wagens war. Sein Name ist …, wie er uns mitteilte. Auf den Hinweis, dass heutzutage seine dargebotene Ware als Schaum- oder Schokoküsse bezeichnet wird und das N-Wort ein rassistischer Begriff sei, blaffte Herr … zurück: „Ihr seid wohl aus dem Westen. Bei uns im Osten sagt man N…..kuss!“ Auf das weitere Insistieren, dass sogar auf seinen Kartons Schaumküsse stehe, sagte er nur: „Da hat sich noch keiner drüber beschwert, außer so Idioten wie du!“ Da Kinder mit anwesend waren, wollten wir die Situation nicht weiter eskalieren lassen, werden uns aber an die zuständige Stelle der Stadt Bernau wenden, die für die Vergabe der Standplätze verantwortlich ist.
Angemerkt sei noch, dass Herr … erwähnte, dass er ständig einen Standplatz auf dem Wochenmarkt in Bernau hätte. Die Märkte finden am … in der Bürgermeisterstraße statt. Zu erkennen ist Herrn … Wagen unter anderem an einem laminierten Bild von Pittiplatsch mit dem Spruch „Bei uns im Osten sagt man N….kuss!“ Wenn das das Sandmännchen erfährt…

Quelle: Eigener Bericht

30.08.2019, Wandlitz
Antimuslimischer Rassismus erwischt den Falschen

Der Runde Tisch Willkommen rief in Wandlitz zur Menschenkette auf, um – „Herz statt Hetze“ – ein solidarisches Zeichen zu setzen, vor den Landtagswahlen bewusst ohne Parteiwerbung, aber Werbung für Demokratie und Menschenrechte.
Als sich die Teilnehmenden noch sammelten, kam eine ältere Frau auf einen jungen Mann zu und fragte ihn: „Was sagen Sie zu Sure …“? Weil er das nicht gleich verstand, wiederholte die Frau: „Was sagen Sie zu Sure …? Dort steht: ‚Du sollst den Ungläubigen töten, wo immer du ihn triffst!‘ Was sagen Sie dazu?“ Der junge Mann zuckte die Schultern: „Was soll ich dazu sagen? Ich…“ Die Frau weiter: „Das ist die Wahrheit über den Islam, sie wollen uns alle töten!“ Ein älterer Mann hörte das und fragte die Dame: „Warum erzählen Sie so etwas? In der Bibel stehen auch ganz schlimme Sachen, die Gläubige den angeblich Ungläubigen antun sollen.“ Die ältere Frau betonte nun, dass sie nie und nimmer ein Kopftuch tragen wird, „…ich bin zum Glück über 70 J., aber um meine Enkel fürchte ich mich, weil die Islamisten so viele Kinder bekommen und dann hier die Macht übernehmen.“
Der junge Mann wunderte sich, warum gerade er so angesprochen wurde. Umstehende vermuteten: Die ältere Dame hatte den jungen Mann – wegen seiner dunklen Haare – offenbar für einen Muslim gehalten, ihn als „nicht-deutsch“ eingeordnet.
Ein äußeres Merkmal scheint „besorgten Mitbürgerinnen“ schon zu reichen, um einem von „denen“ mal so richtig die Suren um die Ohren zu hauen…

Quelle: Eigener Bericht

Rechte Propaganda und Sachbeschädigungen

Eberswalde, Januar 2019
Ehrenmal auf Friedhof beschädigt

Wie der Polizei am 30.01.2019 angezeigt wurde, ist das Ehrenmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten auf dem Waldfriedhof durch noch Unbekannte beschädigt worden. So entfernten die Täter gewaltsam sechs Gedenktafeln, die sie anschließend zerbrochen zurück ließen. Der Staatsschutz der Direktion Ost hat die Ermittlungen in diesem Fall übernommen.
Quelle: Polizei Brandenburg

09.02.2019, Eberswalde
AfD-Demo und Gegenprotest

Als „Heimatliebe Brandenburg“ traf sich ein AfD-Bündnis mit bis zu 150 Teilnehmenden am Eberswalder Markt und verbreitete die üblichen Hassbotschaften.
„Nicht mit uns – Wir halten dagegen!“ war das Motto des Bündnisses von #Eberswaldeunteilbar, das am Kirchhang mit 300 Teilnehmenden deutlich machte, dass sie für eine offene und solidarische Gesellschaft eintreten, in der Menschenrechte unteilbar, in der vielfältige und selbstbestimmte Lebensentwürfe selbstverständlich sind. Sie stellen sich lautstark gegen jegliche Form von Diskriminierung und Hetze. Für ein Europa der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit! Für ein solidarisches und soziales Miteinander statt Ausgrenzung und Rassismus! Für das Recht auf Schutz und Asyl – Gegen die Abschottung Europas! Für eine freie und vielfältige Gesellschaft! Unsere Alternative heißt Solidarität!
Quelle: Eigener Bericht

11.02.2019, Eberswalde
Hitlergruß gezeigt

Ein alkoholisierter Mann zeigte am Montagnachmittag in der Potsdamer Allee Polizeibeamten gegenüber den Hitlergruß. Daraufhin wollten die Beamten den 33-jährigen kontrollieren, jedoch wollte sich der Mann mittels körperlicher Gewalt der Kontrolle entziehen. Er scheiterte. Verletzt wurde dabei niemand und Strafanzeige bekam er obendrein.
Quelle: MOZ, 13.02.2019

15.02.2019, Bernau
AfD-Veranstaltung mit Rechtsaußen Kalbitz

Knapp 30 AfD-Mitglieder und Sympathisanten trafen sich zum „Neujahrsempfang“. Hauptredner war der Brandenburger Rechtsaußen Andreas Kalbitz, der seine früheren Kontakte zu Nazis gern verschwieg und mit dem Thüringer AfD-Chef Bernd Höcke den besonders rechten „Flügel“ der AfD repräsentierte. Die Gegendemonstrant_innen bezeichnete er als „aufgehetzte  Kindersoldaten der Antifa“, die überall mit den gleichen Transparenten und den gleichen Sprechchören aufträten.
Lautstark und friedlich protestierten draußen etwa 100 Menschen gegen Hass und Hetze, Rassismus und Nationalismus, gegen den Hassprediger im Schafspelz und die ständige Selbstinszenierung der Rechten als Opfer.
„Protest gegen die AfD prallt ab“ überschrieb die Leiterin der Bernauer MOZ-Lokalredaktion ihren merkwürdig einseitigen, vor allem die Positionen der Rechten darstellenden Bericht. Link dazu: https://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1710105/
Quellen: Eigener Bericht und MOZ

Ende Februar 2019, Eberswalde
Sachbeschädigung am Synagogendenkmal

Vor dem Synagogendenkmal in der Goethestraße haben Unbekannte eine Sitzbank mit roter Farbe beschmiert. Außerdem wurde eine im Boden eingelassene Lampenleiste, mit der die Gedenkmauer beleuchtet wird, mit Steinen beschädigt. Angezeigt wurde der Vorfall am Mittwoch. Nach Angaben der Sprecherin der Polizei wird ein antisemitischer Hintergrund nicht ausgeschlossen. Deshalb habe auch der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.
Quelle: MOZ, 1.3.2019

08./09.05.2019, Eberswalde
Hakenkreuz am Eingang

An der Einfahrt zu einem Firmengelände an der Heegermühler Straße sprühten unbekannte Täter in der Nacht zum Donnerstag ein Hakenkreuz an eine Fassade.
Die Beseitigung wurde veranlasst. Der Schaden beträgt ca. 1.000 Euro. Der Staatsschutz ermittelt zur Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
Quelle: Polizeibericht

03.06.2019, Wandlitz OT Klosterfelde
Naziparolen gerufen

Am frühen Abend des 03.06.2019 wurden Polizisten in eine Gaststätte nach Klosterfelde gerufen. Dort hatte ein Mann lautstark Naziparolen von sich gegeben, was er anschließend auf dem Bahnhofsvorplatz noch einmal wiederholte. Die Beamten nahmen sich seiner an und stellten fest, dass sie es mit einem 33-Jährigen zu tun hatten, der einen Atemalkoholwert von 1,43 Promille aufweisen konnte. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt in Begleitung eines gleichaltrigen Mannes, welcher sogar mit 1,71 Promille unterwegs war. Beide erhielten einen Platzverweis und entfernten sich in Richtung Zerpenschleuse. Doch hielt die Ruhe nicht lange an. Schon wenig später ertönten erneut Naziparolen, so dass sich die Herren alsbald im polizeilichen Gewahrsam wiederfanden. Dort konnten sie ihren Rausch ausschlafen und erwarten nun Ermittlungen wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. 
Quelle: https://polizei.brandenburg.de/pressemeldung/naziparolen-gerufen/1489079

16.06.2019, Eberswalde
Flaschen aus Wohnhaus geworfen

Am frühen Morgen des 16.06.2019 wurden Polizisten in die Gubener Straße gerufen. Dort war ein 48 Jahre alter Mann gerade von seinem Krad abgestiegen, als hinter ihm eine Flasche zerbarst. Augenscheinlich kam der Wurf von einem Balkon im vierten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses. Dort hatten sich schon zwei Personen durch lautstarke Musik bemerkbar gemacht. Kurze Zeit später folgte ein erneuter Flaschenwurf. Wieder wurde der Kradfahrer glücklicherweise verfehlt, dafür traf die Flasche aber ein geparktes Auto. Das Fahrzeug wurde an Frontscheibe und Motorhaube beschädigt.
Polizisten nahmen sich der Sache an und begaben sich in die betreffende Wohnung. Dort empfing sie ein 30-jähriger Mann mit dem sog. „Hitlergruß“. Er gab sich aggressiv und verletzte einen der Beamten durch aktive Widerstandshandlungen. Daraufhin wurde der bereits hinlänglich bekannte Mann zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam genommen. Eine ebenfalls anwesende 29-Jährige konnte in der Wohnung verbleiben.
Die folgenden Ermittlungen werden erbringen, wer die Flaschen vom Balkon warf. Darüber hinaus ist ein Verfahren wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet worden.
Quelle: Polizeibericht

17.06.2019, Eberswalde
Ermittlungen zum Vorwurf der Volksverhetzung

Am späten Abend des 17.06.2019 fuhren noch Unbekannte mit einem grauen PKW vor ein Lokal in der Heegermühler Straße. Dem Fahrzeug entstiegen dann fünf Insassen, die mit drei zu Fuß daherkommenden Personen vor dem Lokal lautstark beleidigende Äußerungen gegen Inder und Pakistani von sich gaben.
Nach ersten Hinweisen sollen die Rufer aus Afghanistan bzw. Russland stammen.
Kriminalisten der Direktion Ost haben die Ermittlungen in dem Fall übernommen.
Quelle: Polizeibericht

27.06.2019, Eberswalde
Gepöbelt und Widerstand geleistet

Am 27.06.2019, gegen 16:30 Uhr, wurden Polizisten in die Angermünder Straße gerufen. Vor einem Einkaufsmarkt hatte ein Mann Passanten angepöbelt und war dann im offensichtlich trunkenen Zustand davon geradelt. Er konnte noch in der Angermünder Straße ausgemacht und angehalten werden. Wie sich herausstellte, hatte man es mit einem 49 Jahre alten Einheimischen zu tun, der bereits hinlänglich polizeilich bekannt ist. Ein Atemalkoholtest brachte einen Wert von 2,17 Promille. Der Delinquent erwies sich in der Folge als widerständig. Er bedrohte die Beamten und versuchte, sie durch Schläge zu verletzen. Auch warf der Mann ihnen Naziparolen an den Kopf. Ihm wurde im Krankenhaus eine Blutprobe entnommen und dann konnte er seinen Rausch im Gewahrsam ausschlafen. Ihn erwartet nun ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und einer Trunkenheitsfahrt.
Quelle: https://cityreport.pnr24-online.de/eberswalde-gepoebelt-und-widerstand-geleistet/

15.07.2019, Wandlitz OT Prenden
Nazisymbole gesprüht

Am Vormittag des 15.07.2019 wurde der Polizei mitgeteilt, dass in der Ützdorfer Straße von Prenden Nazisymbole gesprüht worden seien. Auf dem Straßenbelag sowie auf einem Glascontainer und einer Kleiderbox hatten die Täter insgesamt fünf Hakenkreuze hinterlassen. Kriminalisten der Direktion Ost ermitteln nun, wer die Schmierfinken waren.
Quelle: Polizeibericht

01.08.2019, Bernau
Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen

Am 01.08.2019, gegen 20:00 Uhr, wurde die Polizei zum Bahnhofsplatz gerufen. Dort hatte ein Mann mehrfach den sog. „Hitlergruß“ gezeigt und rechte Parolen skandiert. Die Beamten stellten den bereits hinlänglich bekannten 40-Jährigen noch in unmittelbarer Nähe. Er hatte einen Atemalkoholwert von 1,58 Promille aufzuweisen. Der Mann erhielt einen Platzverweis und muss sich nun für das Geschehen verantworten.  
Quelle: Polizeibericht

06.08.2019, Bernau,
Hakenkreuz  in der Grünfläche

Am Venusbogen sprühten unbekannte Täter mit grüner Farbe ein Hakenkreuz auf einen Gehweg, der durch eine Grünfläche führt. Der Mann, der die Anzeige aufgab, entdeckte es bereits am 6. August und zeigte dies am 7. August an. Der Staatsschutz nahm die Ermittlungen auf.
Quelle: Polizeibericht

06.08.2019, Eberswalde
In Gewahrsam genommen

Am Dienstagnachmittag nahm die Polizei einen 49- jährigen Mann zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam. Er pöbelte vor einem Lebensmitteldiscounter in der Leibnitzstraße Passanten an und zeigte im Verkaufsraum mehrfach den Hitlergruß. Während der Anzeigenaufnahme führten die Beamten einen Atemalkoholtest durch. Der Wert lag bei 2,5 Promille.
Quelle: Polizeibricht

23.08.2019, Eberswalde (ähnliches Tatgeschehen am 6.12., s.u.):
Zahlreiche Reifen vor allem von Studierenden zerstochen

Die Kriminalpolizei der Inspektion Barnim ermittelt seit dem 23.08.2019 zu mehreren Fällen von Sachbeschädigung. In der Nacht zuvor hatten noch Unbekannte in der Ruhlaer Straße, der Dankelmannstraße, der Brunnenstraße sowie der Carl-von-Ossietzky-Straße die Reifen von sechs Autos zerstochen. In der Raumerstraße wurden darüber hinaus die Reifen von vier Fahrrädern zerstochen, die alle in einem Hauseingang abgestellt gewesen waren. Bis auf einen PKW Toyota handelt es sich bei den angegriffenen Fahrzeugen um Kleintransporter älteren Baujahrs. Die Kriminalisten gehen davon aus, dass die Taten von ein und demselben Täter bzw. ein und derselben Tätergruppe ausgeführt wurden.
Noch konnte aber kein Tatverdächtiger ermittelt werden. Deshalb bittet die Polizei mögliche weitere Zeugen, die noch nicht mit ihnen in Kontakt getreten sind, sich zu melden.
Wer hat in der Nacht zum 23.08.2019 Beobachtungen gemacht, welche mit dem Tatgeschehen in Zusammenhang zu bringen sind?
Die Ermittler sind unter der Rufnummer 03338 3610 oder per Internetwache www.polizei.brandenburg.de erreichbar. Selbstverständlich kann auch jede andere Polizeidienststelle kontaktiert werden.
Quelle: Polizeibericht

24.08.2019, Eberswalde
AfD-Volksfest vor der Landtagswahl

Am 24.08.2019 lud die AfD vor der Landtagswahl zu einem Volksfest auf den Bahnhofs-vorplatz ein.
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler, die Direktkandidaten der demokratischen Parteien, der Landrat und der Bürgermeister protestierten bunt, laut und mit deutlichen Reden gegen die Rechtspopulisten.
Quelle: Eigener Bericht

28.08.2019, Eberswalde
Jugendliche begrüßen sich lautstark mit Hitlergruß

Mitten am Tag gegen 13:45 Uhr begrüßen sich mehrere Jugendliche im Park zwischen Goethestraße und Michaelisstraße (gegenüber des Spielplatzes beim Globus) lautstark mit dem Hitlergruß. Zeug_innen riefen die Polizei an und stellte Anzeige. 3 Beamt*innen trafen die Jugendlichen dort auch noch an und sprachen mit ihnen. Mindestens eine Zeugin ist zur Aussage vorgeladen worden, der Vorgang wurde also bearbeitet.
Quelle: Eigener Bericht

31.08.2019, Bernau
Naziparolen bei Wahlveranstaltung gerufen

Während einer Wahlveranstaltung der Sozialdemokraten am Abend des 31.8. am Steintor, sah sich ein Mann bemüßigt, lautstark mit Naziparolen auf sich aufmerksam zu machen. Polizisten griffen sich den offensichtlich stark Alkoholisierten und stellten fest, dass man es mit einem 40-jährigen Bernauer zu tun hatte, der bereits einschlägig bekannt war. Er konnte zu diesem Zeitpunkt einen Atemalkoholwert von 2,15 Promille aufweisen. Da er in der Folge einem Platzverweis nicht nachkam, sollte der Mann in Gewahrsam genommen werden. Dabei leistete der Delinquent jedoch erheblichen Widerstand, fand sich in der Folge aber trotzdem in Handfesseln wieder. Kriminalisten der Direktion Ost ermitteln nun wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte.  
Quelle: https://polizei.brandenburg.de/pressemeldung/naziparolen-gerufen-/1614516

Herbst 2019, Eberswalde
Rechtsextreme Grüße und rassistische Äußerungen immer wieder in der Schule

An der … (Name)-Schule in Eberswalde gab es in diesem Jahr zur Europawahl und zur brandenburgischen Landtagswahl Junior- und U18-Wahlen. „Die Auswertung der Wahlergebnisse bleibt aber auf der Strecke“, sagt … (Name), der dort Lehrer für … (verschiedene Fächer) ist. „Das ist besonders bedenkenswert, weil sich die beteiligten Schüler mehrheitlich für die AfD entschieden haben.“
„Die Schüler lassen sich nur schwer in demokratische Prozesse einbinden“, sagt er. „Sie haben auch wenig Interesse an der Schülervertretung.“ Was auch daran liegt, dass sie dort keine richtige demokratische Arbeit leisten können, sagt .. (Name). Meistens trifft sich die Schülervertretung nur zwei Mal im Halbjahr für zwei Stunden.
Er würde seinen Schüler:innen gern einen Gang ins Stadtparlament ermöglichen. „Es ist schwer, den Schülern zu vermitteln, dass Politik praktisch ist“, sagt er.
An der …-Schule brächten Schüler:innen massive Vorurteile von zu Hause mit, sagt der Lehrer. Rechtsextreme Grüße und rassistische Äußerungen kämen immer wieder vor. „Wir arbeiten dann stark mit Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen“, sagt er. Aber das reiche nicht aus. „Wir wollen ja auch ein Umdenken bewirken.“
Quelle: https://krautreporter.de/3162-was-andere-lander-im-kampf-gegen-rechtsextremismus-von-brandenburg-lernen-konnen

06.12.2019, Eberswalde
Wieder Reifen zerstochen

Kriminalisten der Direktion Ost ermitteln gegenwärtig zu Sachbeschädigungen an mehreren Fahrrädern und einem Auto.
Noch Unbekannte hatten nach bisherigen Erkenntnissen im Zeitraum vom 06.12.2019, 18:30 Uhr, bis 07.12.2019, 08:30 Uhr, an insgesamt fünf Fahrrädern und einem PKW die Reifen zerstochen. Das Ganze spielte sich in der Raumerstraße sowie in der Brunnenstraße ab.
Die Ermittler bitten um Hinweise möglicher Zeugen! Wer hat im genannten Zeitraum Beobachtungen getroffen, die mit dem Tatgeschehen in Einklang zu bringen sind? Wer kann weitere Hinweise zu den Tätern geben?
Ihre sachkundigen Hinweise richten Sie bitte unter der Rufnummer 03338 3610 an die Polizeiinspektion Barnim. Natürlich kann auch die Internetwache www.polizei.brandenburg.de oder jede andere Polizeidienststelle kontaktiert werden.     
Quelle: Polizeibericht

Anmerkung: Am 6.12. 1990 starb der angolanische Vertragsarbeiter Amadeu Antonio durch rassistische Gewalt in Eberswalde. Am Abend des 6.12.2019 nahmen etwa 350 Menschen am Schweigemarsch und am Gedenken gegen Rassismus teil.
Am 22.08.2019 gab es ein ähnliches Tatgeschehen (s.o.).

27.12.2019, Wandlitz OT Basdorf
Hakenkreuze in früherer Polizeihochschule

Basdorf (MOZ) Unbekannte haben im denkmalgeschützten Doppel-H-Gebäude auf dem Gelände der früheren Polizeihochschule Hakenkreuze an die Wand gesprüht.
Das Gebäude hinter dem ehemaligen Kasino ist nicht öffentlich zugänglich und mit einem Zaun gesichert. Da aber einige Fensterscheiben fehlen, kann man problemlos eindringen.
… (Name), Geschäftsführer der Basdorf Entwicklungsgesellschaft (BEG), erstattete Anzeige bei der Polizei.
Quelle: MOZ

Strukturelle Probleme und Nachtrag aus 2018

25.04.2019, Wandlitz-Bernau
Wegen Schokoriegel zu spät zur Arbeit, Fahrgäste im Bus eingesperrt

Eine junge Frau und Schülerinnen, die kurz nach 14 Uhr im Bus zwischen Wandlitz und Bernau in unmittelbarer Nähe des später beschuldigten Mannes saßen, berichteten:
Der Busfahrer sagte ziemlich harsch einem vorn im Bus sitzenden nichtweißen Mann, der einen Schokoriegel aß: Im Bus darf nicht gegessen werden. Der Mann fragte zurück: Wieso, wo steht das geschrieben? Der Busfahrer bekräftigte seine Forderung: „Das steht in der Busordnung. Pack/Packen Sie das weg. Ich bin hier der Busfahrer!“
An der nächsten Haltestelle belehrte der Busfahrer eine im hinteren Teil des Busses sitzende dunkelhäutige Frau mit einem langen Schal (der Kopf und Schultern bedeckt, auch als „Hijab-Schal“ bezeichnet), weil sie Erdnüsse aß. Sie packte die Nüsse weg. Als der Busfahrer an dem Mann vorbeikam, der wegen des Schokoriegels angesprochen wurden, murmelte der Mann etwas unverständliches, das aber seinen Unmut deutlich machte.
Der Busfahrer meinte gehört zu haben, dass der Mann Nazi zu ihm gesagt hätte und sagte zu dem Mann, dass der schon mal seinen Ausweis rausholen könne, die nächste Station sei die Polizei. Dann informierte er über Sprechfunk die Einsatzleitung, er werde wegen eines Vorfalls im Bus Verspätung haben.
Anschließend wich er von der Fahrtroute ab und fuhr zur Polizeidienststelle Bernau. Vor dem Gebäude hupte er mehrmals. Als niemand heraus kam, stieg er aus, schloss die Fahrgäste ein und ging in die Dienststelle. Mit ihm kamen sechs Polizist_innen heraus, einige eilten mit kugelsicheren Westen zum Bus, um den Mann heraus zu holen. Der Mann sagte, dass er zur Arbeit muss und wissen möchte, warum er mitgenommen werden soll. Er habe gegen unsere Normen verstoßen, hieß es seitens der Polizisten, die dann außerhalb des Busses seine Personalien kontrollierten.
Einige der Mitfahrenden merkten in der Situation an, dass die Reaktion des Busfahrers und der Polizei völlig übertrieben und inakzeptabel sei. Ein Polizeibeamter sei kurz darauf in den Bus zurückgekehrt und habe die wartenden Fahrgäste gefragt, ob jemand noch etwas sagen wolle. Ein Fahrgast habe bestätigt, dass er das Wort Nazi hörte. Eine Frau, die unmittelbar dem von der Polizei mitgenommenen Mann gegenüber saß, habe geäußert, dass sie nichts gehört habe, woraufhin der Polizist ihr entgegnete: „Haben Sie geschlafen oder was?“.
Der Busfahrer fuhr nun die restlichen Fahrgäste zum Bahnhof Bernau – ohne den Mann, der draußen bei den Polizisten blieb.
Quelle: Eigener Bericht

Anfang August 2019, Eberswalde
Besondere Regel für Schwarze

Der Stadtbus Richtung Innenstadt hält an der Station Eisenspalterei. Dort möchte unter anderem ein offenbar angetrunkener Schwarzer Mann einsteigen. Der Busfahrer sagt zu dem Mann, dass er betrunken nicht mitfahren darf.
Ein (nichtweißer) Fahrgast sagt daraufhin zum Busfahrer, dass er es als rassistisch empfindet, wenn andere Betrunkene mitfahren dürften, der Schwarze aber nicht.
Der Busfahrer bleibt dabei und lässt den Angetrunkenen nicht mitfahren. An der nächsten Station kommt der Fahrer zu dem Fahrgast und fordert, dass dieser sich bei ihm entschuldigen solle, schließlich habe er ihn einen Rassisten genannt. Der Fahrgast entschuldigt sich und achtet in den nächsten Wochen darauf, ob angetrunkene Weiße auch am Mitfahren gehindert werden. Das ist „natürlich“ nicht der Fall.
Quelle: Eigener Bericht

05.08.2019, Eberswalde
Weiße Mitarbeitende – weiter zu 100 Prozent

Zu Beginn des neuen Schuljahres begrüßte Landrat Kurth zehn neue Auszubildende der Kreisverwaltung, vier Männer und sechs Frauen.
Quelle: Märkische Oderzeitung, 07.08.19

Anmerkungen:
Das Foto dazu zeigt zehn junge Menschen, die – wie üblich unbemerkt und unbenannt – genau zu den anderen Angestellten der Kreisverwaltung passen, weil alle weiß sind.
Die „Parallelgesellschaft“ findet, wie es Dr. Mark Terkessidis am Antirassismustag 2019 in der HNE in Eberswalde* formulierte, im Lehrerzimmer, in der Verwaltung und in anderen Behörden statt.

Bilder nichtweißer Menschen kommen auch in vielen kommunalen Broschüren nicht vor, z.B. im „Wegweiser durch den Landkreis Barnim“:
https://www.barnim.de/fileadmin/barnim_upload/Bereich_Landrat/Wegweiser_Barnim_2018_2019_www.pdf – Wann im 21. Jahrhundert ändert sich daran etwas?

(* über diese Veranstaltung mit dem renommierten Experten und mit über hundert Teilnehmenden berichtete trotz Pressemitteilungen keine der Lokalzeitungen, auch nicht über das Erscheinen der Chroniken von SOS Rassismus Barnim zu 2017 oder 2018 oder über den ZDF-Beitrag zu Alltagsrassismus in Eberswalde am 20.8.19. Zum Gedenken am Todestag von Amadeu Antonio mit 350 Menschen brachte der RBB in brandenburg aktuell noch am Abend des 6.12. einen Bericht, in der MOZ gab es dazu ein Foto, keinen Bericht).

24.08.2019 Bernau OT Lobetal,
Nächtliche Kontrolle

Eine größere Flüchtlingsfamilie (Kinder von 2 bis 15 J.) zog kurz zuvor in ein Übergangs-wohnheim in Lobetal. Am Samstag wurden sie gegen 4 Uhr früh von neun Poliztist_innen geweckt, auch die Kinder mussten geweckt werden. Alle mussten sich ausweisen. Auch in andere Schlafräume des Wohnheims schauten Polizist_innen – ohne Kontrolle der Papiere. Diese Bewohner_innen hatten den Eindruck, dass die Polizei nur schaute, wer anwesend war oder wie viele Leute da waren.
Auf die Frage des Vaters nach dem Grund der Kontrolle hieß es, jemand hätte bei der Polizei angerufen und gesagt, es gäbe da ein Problem. Dem Vater wurde nicht gesagt, wer angerufen hat und welches Problem es gegeben haben soll.
Dann fragte die Polizei den Vater noch, warum er den vorhergehenden Wohnort verlassen hätte und nun hier in Lobetal sei. Er antwortete: Weil die Behörden unsere Familie hierher geschickt haben.  
Ein besorgter Lobetaler kommentierte:
Gehen wir mal davon aus, da hat wirklich jemand angerufen (was für eine Sauerei!), dann hätte die Polizei vor Ort sehen können – alles in Ordnung und die Kinder schlafen lassen können. Ein gutes Willkommen in Lobetal war das jedenfalls nicht. 
Quelle: Eigener Bericht

10.09.2019, Biesenthal-Eberswalde
Rassismus in der Bahn

Ein Geflüchteter aus dem Tschad ist am 10.09.2019 von Biesenthal nach Eberswalde mit dem RB24 gefahren. Er hat vorher versucht am Automaten am Biesenthaler Bahnhof einen Fahrschein zu erwerben. Das misslang ihm wegen seiner mangelnden Deutschkenntnisse. Zu diesem Zeitpunkt befand sich auch niemand anderes in der Nähe des Automaten und so konnte er sich auch keine Hilfe organisieren. Als der Zug einfuhr ging der Betroffene direkt zum Zugbegleiter und sprach diesen noch auf dem Bahnsteig an um die Situation zu erklären, verbunden mit der Bitte ihm einen Fahrschein zu verkaufen. Der Zugbegleiter ließ den Betroffenen einsteigen. Erst als der Zug wieder los fuhr, weigerte sich der Zugbegleiter einen Fahrschein zu verkaufen und verlangte stattdessen einen erhöhten Fahrpreis von 60 Euro. Dieses wiederum verweigerte der Betroffenen verständlicherweise. Er bat stattdessen weiterhin darum, einen Fahrschein kaufen zu dürfen. Der Zugbegleiter rief dann umgehend die Polizei, die den Betroffenen dann in Eberswalde in Empfang nahm und sich von ihm die Papiere zeigen ließen. Obwohl der Geflüchtete den BundespolizistInnen am Bahnsteig sofort seine Duldungspapiere zeigte, nahm die Polizei den Betroffenen mit zur ihrer Dienststelle und hielten den Betroffenen dort etwa eine halbe Stunde fest. Die BundespolizistInnen nahmen dem Betroffenen Fingerabdrücke ab und telefonierten in dieser Zeit mehrmals mit der Ausländerbehörde.
Wir halten sowohl das Verhalten des Zugbegleiters als auch der PolizistInnen für rassistisch. Es ist mehr als fraglich ob einem Menschen mit heller Hautfarbe und deutschem Pass dasselbe widerfahren wäre.

Quelle: http://refugeeswelcomebarnim.blogsport.de/2019/10/25/rassismus-in-der-bahn/

Eberswalde, Dezember 2019
Leserbrief – (nur) ein Beispiel

Ein ewiger Kreislauf
(Leserbrief im Barnim Echo) Zu „Abschiebungen: Kosten von sechs Millionen Euro“
„Die Ausländerbehörden wollen also, dass die Kosten für Abschiebungen von den Abgeschobenen erstattet werden. Und die werden natürlich brav zahlen, sofern sie überhaupt das nötige Geld haben. Und wenn sie die Finanzen besitzen, dann werden sie sie wohl zuerst einsetzen, um wieder nach Deutschland zurückzukehren. Hier angekommen, sind sie dann natürlich pleite, haben daher Anspruch auf finanzielle Unterstützung und stellen einen neuen Asylantrag. Dessen Bearbeitung kann sehr lange dauern.“
(Vor- und Nachname, Eberswalde)
Kommentar: Menschen nehmen lebensgefährliche Fluchtwege nicht aus Jux und Dollerei in Kauf, nicht wegen Hartz IV oder wegen besonderer Gastfreundschaft in Deutschland, sondern weil ihr Leben bedroht war und sie in Europa Demokratie und Menschenrechte gewahrt sehen. Den Leserbriefschreiber können wir nur fragen: Würden Sie in ein Land fliehen, wo Sie Hass und Hetze von „ganz normalen Leuten“ plus Abschiebung zu erwarten hätten?

Nachtrag: April 2018, Eberswalde
Vertrauen zum Arzt gestört

Ein 18-jähriger geflüchteter Mann aus Ostafrika bekam am Wochenende Fieber und Schüttelfrost, so dass er zur Rettungsstelle des Krankenhauses ging. Dort bekam er eine Infusion und die Empfehlung sich am Montag mit dem Befund beim Hausarzt vorzustellen.
Bisher brauchte er keinen Arzt und suchte sich die Adresse eines Allgemeinmediziners heraus. Am Montag kam er dort nicht mehr ran, konnte aber den Befund abgeben und am Dienstag wiederkommen. Als er dann das Arztzimmer betrat, fragte ihn der Arzt – ohne auf den auf dem Tisch liegenden Befund einzugehen – ziemlich aggressiv: „Woher kommst du? Warum bist du nach Deutschland gekommen? Was willst du hier? Arbeitest du? Weißt du, dass ich als Arzt und viele Deutsche hohe Steuern zahlen müssen? Ihr lebt hier von unseren Steuern!“ Der 18-jährige antwortete so gut es ging, dann aber: „Herr Doktor, warum reden Sie so mit mir? Ich bin krank, ich möchte behandelt werden.“ Der Arzt verschrieb dem Patienten dann ein Medikament auf Rezept.
Danach überlegte der 18-jährige, ob er dem Arzt vertrauen könne. Er löste das Rezept nicht ein. „Ich wusste nicht, was er mir aufschrieb, ob das Medikament hilft oder mir schadet. Ich legte mich lieber weiter ins Bett und kurierte mich ohne Medikament aus.“

Quelle: Eigener Bericht

Schweigen unterstützt Ausgrenzung und Gewalt.

Diskriminierungen gehen uns alle an.

Menschlichkeit kennt keine Alternative.

Rassismus wahrnehmen, benennen, bearbeiten und letztlich überwinden: Sei/d bitte dabei.

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Die wichtigste Frage ist nicht, wer George Floyd getötet hat, sondern was ihn getötet hat, betont Kelly Brown-Douglas*. Ihre Antwort: Eine sich christlich nennende Kultur der weißen Vorherrschaft.

In Deutschland erleben wir eine sich „abendländisch“, „national“ oder „patriotisch“ nennende Unkultur weißer Angstmache, Anstiftung zu Hass und Hetze, zu Unterdrückung und Ausgrenzung, zu Entrechtung und Unbarmherzigkeit. Also geistige Brandstiftung für rechten, rassistischen Terror.

Dagegen aufzustehen und aktiv einzutreten für Menschenwürde, Menschenrechte, Gleichheit aller Menschen, Demokratie und Freiheit, ist Aufgabe aller staatlichen Gewalt (Artikel 1 Grundgesetz), ebenso unsere Aufgabe als Mitmenschen.

(* Kelly Brown-Douglas ist Professorin am Union Theological Seminary in New York und gehört zu den bekanntesten Vertreterinnen Schwarzer Theologie in den USA.) Nicht nur für sie spiegelt sich in der Ermordung George Floyds am 25. Mai 2020 die über 400 Jahre alte Erbsünde ihres Landes: Rassismus.
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Kontakt: rassismus.barnim@gmail.com
Sprechstunde: Jeden ersten Donnerstag im Monat, 17:00 – 18:00 Uhr,
im Palanca e.V., Coppistraße 1, 16227 Eberswalde


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